Worauf eigengrund.space beruht

Erfahrung zuerst

eigengrund.space ist nicht am Schreibtisch entstanden. Vieles von dem, was heute in unserem Konzept steckt, haben wir zuerst selbst erfahren.

In eigenen Krisen und Veränderungsprozessen.
In Therapie und Körperarbeit.
In Beziehungen.
In intensiven Erfahrungen.
In spiritueller Praxis.
Und in der Begleitung anderer Menschen.

Dabei sind uns bestimmte Dinge immer wieder begegnet.

1 Niemand ist falsch. Was sich wie ein Defekt anfühlt, ist meistens eine Schutzreaktion – klug, damals sinnvoll, heute vielleicht im Weg.
2 Verstehen reicht nicht. Der Kopf kann etwas vollständig verstehen – und der Rest bewegt sich trotzdem nicht. Weil Veränderung nicht unbedingt dort passiert, wo man hinschaut.
3 Entwicklung kann man nicht machen. Man kann gute Bedingungen schaffen. Man kann fragen: Wie kann ich dafür sorgen, dass ich gerade gut mit mir bin? Den Rest regelt etwas, das seinen eigenen Rhythmus hat.
4 Der Körper ist kein Anhängsel. Er ist gleichwertiger Teil des Systems. Was im Kopf nicht weitergeht, bewegt sich manchmal dort.
5 Alle Emotionen sind sicher. Nicht angenehm – aber sicher. Die meisten Menschen haben gelernt, bestimmte Gefühle zu vermeiden. Der Auslöser oder die mögliche Konsequenz, es zu zeigen, war einmal gefährlich. Die Erinnerung ist geblieben.
6 Alles fließt. Was jetzt ist, ist nicht für immer – auch wenn es sich so anfühlt. Die Angst, steckenzubleiben, ist oft größer als das Steckenbleiben selbst.
7 Druck arbeitet gegen sich selbst. Wer sich zwingt, sich zu verändern, erzeugt denselben Druck, gegen den er ankämpft. Ein Teil drückt. Ein anderer hält dagegen.

Was davon finden wir auch in Psychologie, Neurowissenschaft, Entwicklungsforschung und anderen Ansätzen wieder?

Unsere sieben Grundannahmen sind zunächst aus unserer eigenen Erfahrung entstanden – nicht aus einem wissenschaftlichen Modell. Gleichzeitig finden wir viele davon heute in Psychologie, Psychotherapie, Neurowissenschaft und Entwicklungsforschung wieder.

Wir nennen das hier nicht als Beweis dafür, dass wir „recht haben“. Viel mehr bieten wir das als interessante wissenschaftliche Anknüpfungspunkte an.

„Die Patienten sollen lernen, dass es nicht gefährlich ist, gelegentlich starke Emotionen zu haben. Sie gehören zum Leben und zum Menschsein.

Besonders wichtig ist es, die Patienten mit diesen Gefühlen zu konfrontieren. Sie müssen die Emotionen erleben, ohne all die ausgefeilten Vermeidungsstrategien einzusetzen, die sie entwickelt haben – viele davon sind ihnen gar nicht bewusst.“

Psychologe David Barlow zum Ergebnis seiner Forschungen und der Wirksamkeit in der Praxis: Aus der ZEIT Nr. 37/2026 26. August 2026: Was gegen Angst hilft. Und gegen Depressionen. Und Zwangsstörungen (online abgerufen am 31.08.2026 um 09:54)

Wie sich unsere sieben Grundannahmen in aktueller Forschung wiederfinden:

1. Niemand ist falsch.

Was heute problematisch erscheint, kann einmal eine sinnvolle Anpassung gewesen sein. Auch moderne transdiagnostische Therapieansätze schauen deshalb zunehmend auf zugrunde liegende Prozesse – etwa Emotionsregulation und Vermeidung – statt Menschen auf einzelne Symptome oder Diagnosen zu reduzieren. [1, 2]

2. Verstehen reicht nicht.

Zu wissen, woher ein Muster kommt, verändert es nicht automatisch. Forschung zu emotionalem Lernen und Gedächtnisrekonsolidierung legt nahe, dass gerade neue Erfahrungen dazu beitragen können, alte emotionale Erwartungen zu aktualisieren. [3]

3. Entwicklung kann man nicht machen.

Man kann Entwicklung nicht erzwingen – aber Bedingungen schaffen, die sie begünstigen. Die Self-Determination Theory von Deci und Ryan zeigt insbesondere die Bedeutung von Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit für selbstbestimmte Motivation, Lernen und Wohlbefinden. Ähnliche Gedanken finden sich auch in den Arbeiten von Gerald Hüther. [4]

4. Der Körper ist kein Anhängsel.

Körper und psychisches Erleben sind eng miteinander verbunden. Die Forschung zur Interozeption untersucht, wie die Wahrnehmung innerer Körpersignale – etwa Herzschlag, Atmung oder Anspannung – mit Emotionen, Selbstregulation und psychischer Gesundheit zusammenhängt. [5]

5. Alle Emotionen sind sicher.

Vielleicht wissenschaftlich genauer: Gefühle sind nicht dasselbe wie Gefahr. Forschung zur Emotionsregulation zeigt, dass dauerhafte Vermeidung, Unterdrückung und Grübeln mit psychischer Belastung zusammenhängen. Ein flexiblerer und akzeptierender Umgang mit Emotionen zeigt günstigere Zusammenhänge. [1]

6. Alles fließt.

Auch tief gelernte emotionale Reaktionen sind nicht grundsätzlich unveränderlich. Forschung zu Lernen, Neuroplastizität und Gedächtnisrekonsolidierung zeigt, dass bestehende Muster durch neue Erfahrungen aktualisiert werden können. [3]

7. Druck arbeitet gegen sich selbst.

Mehr Druck bedeutet nicht automatisch mehr Entwicklung. Forschung zu selbstbestimmter Motivation und Selbstmitgefühl zeigt, dass Autonomie und ein weniger selbstkritischer Umgang mit sich selbst Veränderung nicht verhindern – sondern wichtige Voraussetzungen dafür sein können. [4, 6]

Ein Wort zur Wissenschaft

Wir verstehen diese Forschung nicht als Beweis für ein geschlossenes Modell.

Menschen sind komplexer als jede einzelne Theorie. Forschung entwickelt sich weiter, Ergebnisse sind nicht immer eindeutig und manches, was wir aus Therapie, Körperarbeit oder eigener Erfahrung kennen, ist bisher nur teilweise untersucht.

Wissenschaft ist für uns deshalb keine Gebrauchsanweisung für den Menschen. Sie ist eine weitere Perspektive – neben Erfahrung, Beziehung und dem eigenen Erleben.

Wir teilen nicht jede einzelne Erklärung und Folgerung der nachfolgenden Studien im Detail. Gleichzeitig bieten die Studien in vielen Punkten eine Evidenz, die sich mit unseren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen deckt.

Wichtig: Die Forschung unterstützt einzelne Annahmen und Themenbereiche. Sie bestätigt nicht die konkrete Wirksamkeit von eigengrund.space oder der Emotionsräume als Gesamtformat.

Quellen

[1] Emotionsregulation
Aldao, A., Nolen-Hoeksema, S. & Schweizer, S. (2010). Emotion-regulation strategies across psychopathology: A meta-analytic review. Clinical Psychology Review, 30(2), 217–237.
https://doi.org/10.1016/j.cpr.2009.11.004

[2] Transdiagnostische Ansätze
Barlow, D. H. et al. – Forschung zum Unified Protocol for Transdiagnostic Treatment of Emotional Disorders. Meta-Analysen finden positive Effekte transdiagnostischer Behandlungen insbesondere bei Angst- und depressiven Symptomen.

[3] Emotionales Lernen & Gedächtnisrekonsolidierung
Lane, R. D., Ryan, L., Nadel, L. & Greenberg, L. (2015). Memory reconsolidation, emotional arousal, and the process of change in psychotherapy. Behavioral and Brain Sciences, 38.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24827452/

[4] Motivation & psychologische Grundbedürfnisse
Ryan, R. M. & Deci, E. L. (2000). Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. American Psychologist, 55(1), 68–78.
https://doi.org/10.1037/0003-066X.55.1.68

Weiterführend: Ryan, R. M. & Deci, E. L. (2017). Self-Determination Theory: Basic Psychological Needs in Motivation, Development, and Wellness.

[5] Körperwahrnehmung / Interozeption
Khalsa, S. S. et al. (2018). Interoception and Mental Health: A Roadmap. Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging, 3(6), 501–513.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6054486/

[6] Selbstmitgefühl & Selbstkritik
Wakelin, K. E., Perman, G. & Simonds, L. M. (2022). Effectiveness of self-compassion-related interventions for reducing self-criticism: A systematic review and meta-analysis. Clinical Psychology & Psychotherapy, 29(1), 1–25.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33749936/

Weitere Einflüsse

Neben wissenschaftlicher Forschung sind verschiedene Autoren, therapeutische Ansätze und andere Perspektiven in unsere Arbeit eingeflossen. Dazu gehören unter anderem:

Remo H. Largo
Das passende Leben · S. Fischer, 2017

Gerald Hüther
Wer wir sind und wer wir sein könnten · S. Fischer, 2011

Heather Plett
The Art of Holding Space: A Practice of Love, Liberation, and Leadership · Page Two, 2020

Laurence Heller
Befreiung von Schuld und Scham · Kösel, 2013

Peter Levine
Sprache ohne Worte · Kösel, 2011

Deb Dana
Die Polyvagal-Theorie in der Therapie · Junfermann, 2018

Gopal Norbert Klein
Der Vagus-Schlüssel zur Traumaheilung · VAK Verlag, 2020

Bessel van der Kolk
Verkörperter Schrecken · Junfermann, 2014

Chögyal Namkhai Norbu
Der Spiegel · Shang Shung

+ Weitere Veröffentlichungen von Gopal Norbert Klein und Oliver Ruppel.

Mehr zur konkreten Umsetzung auf eigengrund.space

Wenn du mehr Hintergrund und Informationen dazu suchst, wie wir die oben genannten Grundsätze ordnen und in unserem Modell konkret in die Praxis umsetzen:

Erkennen. Erfahren. Verkörpern.

Erkennen · Erfahren · Verkörpern ist das übergeordnete Ordnungsmodell von eigengrund.space.

Emotionsräume

Emotionsräume bei eigengrund.space sind ein von Malte entwickeltes Format angeleiteter Selbsterfahrung.