Malte · 33
Soldat
Öffentlich

Innere Leere trotz äußerem Erfolg.
Im Beruf und im Alltag habe ich funktioniert – und sobald ich alleine war habe ich mich schlapp und kraftlos gefühlt. Ich hatte keine Motivation einzukaufen, ich hatte keine Motivation vor die Tür zu gehen. Ich habe nur in der Kantine gegessen oder das, was meine Cousine eingekauft hat. In meiner Freizeit habe ich auf meinem Bett gelegen und gewartet – bis ich einschlafe, dass es endlich endet. Teilweise hatte ich passive und einmal aktive suizidale Gedanken.

Es fühlte sich für mich an, als ob ich Luftballons unter Wasser halte und Panik davor habe, dass einer an die Oberfläche kommt. Mir kam es so vor, als könne ich die Ballons kaum länger halten. Ich kam mir überfordert, hilflos und ohnmächtig vor. Ich kam mir alleine vor und habe mich auch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Nach außen hin habe ich so getan, als wäre alles in Ordnung. Als hätte ich mein Leben im Griff. Als wäre ich ein erfolgreicher Typ. Ich wusste absolut nicht, wie ich mit der Situation und dem was in mir war umgehen sollte.
Ein Arbeitskollege sprach mich darauf an, dass ich ihm verändert vorkäme und mich auffällig aus der Gruppe zurückziehen würde. Daraus ergab sich ein Gespräch. Er erzählte mir, dass er schon seit mehreren Jahren in Behandlung sei. Er sagte, dass er meine Situation in ähnlicher Form erlebt hatte und ermutigte mich mit einem Arzt darüber zu sprechen.

Ich wüsste ja gar nicht was ich habe und wüsste auch nicht, was ich dem Arzt sagen solle. Nach außen brachte ich ja immernoch Bestleistungen.
Er sagte: Sag ihm einfach, was gerade ist: zB „Ich schlafe schlecht“ – Daraus würde sich dann der Rest ergeben.

Einige Wochen später ging ich zum Arzt. Ich sagte „Ich weiß nicht was los ist, irgendwie schlafe ich kaum und grübele viel …“ Daraus ergab sich ein Gespräch und der Arzt sagte irgendwann: Ich überweise Sie zu einem Fachmann, der professionell einschätzen kann, was ihnen hilft.

Bis ich einen Therapieplatz bekam vergingen Monate – aber allein die Entscheidung und die Aktion zum Arzt zu gehen, haben in mir was ausgelöst. Es war sowas wie ein magischer Bann gebrochen. Das war vor 5 Jahren.

Seit dem habe ich mehrere Therapieformen, Coachings, Heilmethoden, Retreats, Zeremonien, Ausbildungen, Kurse und Seminare besucht. Ich habe viele Bücher gelesen, Videos und Podcasts geschaut. Ich habe Dinge konfrontiert, angeschaut, bin geflohen, wollte aufbrechen, wollte halten, wollte gehalten werden, wollte Hilfe, wollte helfen. Ich habe Wut, Trauer, Scham, Schuld, Ekel, Freude und ganz viel Angst gefühlt. Dachte ich verliere den Verstand. Dachte ich muss alles kontrollieren, dachte ich muss was müssen, dachte ich muss nichts müssen.

Einiges davon hat geholfen. Vieles davon nicht. Alles davon war für mich ein weiterer Schritt.

Das überfordernde Gefühl mit den Luftballons unter Wasser hatte ich schon lange nicht mehr. Mir kommt es so vor, als dass ich mich mittlerweile sicherer orientieren kann. Regelmäßig habe ich Phasen, in denen ich zurückziehe, allein sein will, mich alles und jeder am Arsch lecken kann und ich Wut, Trauer und Hilflosigkeit fühle. Die jüngsten Phasen sind kürzer als früher. Ich weiß, dass es die Phasen gibt und dass sie vorüber geht. Mögen tue ich die Phasen immernoch nicht – aber ich kenne sie besser.

Was mir geholfen hat, war zu lernen auch in den dunklen Phasen mit vertrauten Menschen zu sprechen, mich mitzuteilen, und zu lernen, dass ich ich der Dunkelheit gar nicht so alleine bin, wie ich immer dachte. Es hat geholfen mich zu trauen und einfach mal zu überprüfen, ob es wirklich so gefährlich ist da draußen.

Was ich definitiv merke: Das was ganz tief drin in mir ist – das was schon immer da ist – hat sich bisher nicht geändert. Das wie ich die Welt erlebe und wie ich auf die Welt reagiere hat sich stark verändert. Vielleicht bin ich gar nicht falsch. Vielleicht habe ich bisher nur in die falsche Richtung geguckt.

Was ich bisher gelernt habe fließt mit in dieses Projekt und diesen Ort ein.

Herzlich Willkommen!

„Mittlerweile ist die Dunkelheit milder, kürzer, bekannter.“
Hinweis Diese Seite ersetzt keine professionelle Begleitung. Wenn du gerade an einem Punkt bist, wo du nicht mehr weiterweißt – oder wenn du in einer Krise bist – bitte ruf an: Telefonseelsorge 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7, anonym).

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